Verkäufer-Leitfaden
Wie man eine mobile App vor dem Verkauf bewertet: Kennzahlen, Multiplikatoren und Fallen
Mobile Apps folgen einer anderen Bewertungslogik als B2B SaaS. DAU, MAU, ARPU und D30-Retention sind die entscheidenden Kennzahlen, mit Multiplikatoren, die je nach Monetarisierungsmodell bis zum Dreifachen variieren.
Eine mobile App ist kein SaaS, und ihre Bewertungskennzahlen sind nicht dieselben. Ein Gründer, der das B2B-SaaS-Schema (ARR-Multiplikator, NRR) auf eine Consumer-App anwendet, gelangt systematisch zu einer falsch positionierten Bewertung. Dieser Leitfaden detailliert die mobilspezifischen Kennzahlen und die in Europa 2026 beobachteten Multiplikatoren.
Mobilspezifische Kennzahlen
- DAU/MAU: Das DAU/MAU-Verhältnis misst das tägliche Engagement. Ein Verhältnis > 40% gilt als ausgezeichnet (Facebook ~66%, Snapchat ~60%). Unter 15% wird die App als „Gelegenheitstool“ wahrgenommen, begrenzte Bewertung.
- D1/D7/D30-Retention: misst den % der Nutzer, die 1, 7 und 30 Tage nach Installation zurückkehren. Branchen-Benchmarks 2025 (AppsFlyer): medianer D1 = 26%, D7 = 11%, D30 = 6%. Eine App mit D30 > 15% liegt im oberen Quartil.
- ARPU: durchschnittlicher Umsatz pro monatlich aktivem Nutzer. Schlüssel für Freemium- und In-App-Purchase-Apps. Im Vergleich zum CAC (Akquisitionskosten) zur Berechnung der Amortisationsdauer.
- LTV: Für mobile Apps gilt LTV = ARPU × durchschnittliche Nutzerlebensdauer. Die Lebensdauer variiert stark nach Sektor: Gaming (18–24 Monate), Fitness (12–18 Monate), Finanzen (36–60 Monate).
B2C vs. B2B Multiplikatoren: die Unterschiede
Consumer-Mobile-Apps werden je nach Monetarisierungsmodell unterschiedlich bewertet. Subscription-Apps haben die höchsten Multiplikatoren, da sie strukturell SaaS ähneln. Freemium/In-App-Purchase-Apps haben Zwischenmultiplikatoren. Werbemodell-Apps haben die niedrigsten Multiplikatoren aufgrund der CPM-Volatilität.
4–8x
Jahresumsatzmultiplikator, B2C-Abonnement-App
2–4x
Jahresumsatzmultiplikator, Freemium/IAP-App
1–2x
Jahresumsatzmultiplikator, Werbe-App (CPM-basiert)
15%
D30-Retention-Schwelle oberes Quartil (AppsFlyer 2025)
Der Einfluss der Apple- und Google-Stores auf die Margen
Die Store-Provision (30% für Apple App Store und Google Play im ersten Jahr, 15% ab dem zweiten Jahr) wirkt sich direkt auf die Bruttomargen und damit auf die Multiplikatoren aus. Ein Erwerber berechnet Multiplikatoren auf Nettoumsatz nach Store-Provision. Ein Asset mit 500K€ Bruttoumsatz auf App Store zeigt tatsächlich ~380K€ Nettoumsatz. Diese Unterscheidung muss im Informationsmemorandum klar dargestellt werden.
In-App-Purchase vs. Abonnement: Was bewertet sich besser?
Wiederkehrende Abonnements werden strukturell besser bewertet als einmalige In-App-Purchases. Grund: Wiederkehrende Einnahmen schaffen Vorhersehbarkeit, den Haupttreiber der Multiplikatoren. Ein Asset, das 80% seiner Einnahmen via Jahresabonnements mit niedrigem Churn generiert, wird 2–3x mehr bewertet als eines mit denselben Einnahmen aus Einmal-IAPs. Optimale Vorkaufsstrategie: aktivste Nutzer auf Abonnement migrieren und die Konversionsrate über 6 Monate dokumentieren.
Praxisbeispiel: Nischen-App, 50K MAU, Bewertung
Daten: Notizmanagement-App für selbständige Anwälte. 50.000 MAU, DAU/MAU = 35%, D30-Retention = 18%, monatlicher ARPU = 4,50€, monatlicher Churn = 2,1%. ARR ≈ 1,89M€. Geschätzter NRR = 96%. Netto-App-Store-Umsatz (15%, Nutzer > 1 Jahr) = 1,61M€. Erwarteter Multiplikator: 4–6x ARR netto = 6,4M€–9,6M€. Prämienfaktoren: hohe D30-Retention (+), DAU/MAU > 30% (+), B2B-Nischensegment (+). Abschlagsfaktor: monatlicher Churn 2,1% = 22,6% jährlich, über SaaS-B2B-Benchmarks (–).
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz verfasst und unter der redaktionellen Verantwortung von Aegryn überprüft. Gemäß Artikel 50 des EU-KI-Gesetzes übernehmen wir die redaktionelle Verantwortung für diesen Inhalt.
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